Die Europäische Wasserrahmenrichtlinie zielt im Bereich der Oberflächengewässer auf die Herstellung der ökologischen Durchgängigkeit. Damit also für die Fische in der Gersprenz bei Dieburg nicht Schluss mit ihrer Wanderung ist, müssen Fischaufstiegsanlagen gebaut werden. Insgesamt vier Umbaumaßnahmen hat der Wasserverband Gersprenzgebiet bei Dieburg initiiert, eine davon am Wehr beim Schloss Stockau. Hier entstand unter der Federführung von UNGER ingenieure eine Fischtreppe, mit der Fische das Wehr überwinden können.

Zwei wichtige Faktoren beeinflussten die Planung. Zum einen liegt die Wehranlage zwischen einem ehemaligen Mühlengebäude und dem Schlossgarten-Ensemble – beide denkmalgeschützt. Zum anderen verteilt sich der Abfluss der Gersprenz in Dieburg auf mehrere parallele Gewässerarme, sodass in Niedrigwasserzeiten nur geringe Abflüsse zur Verfügung stehen. Ein gewöhnliches Umgehungsgerinne kam aus Rücksicht auf den Denkmalschutz sowie durch die baulich beengte Situation nicht infrage. Dazu machte die vorherrschende Abflusssituation eine technische Bauweise nötig: ein Schlitzpass, der eine Beckenstruktur und Trennwände mit vertikalen Schlitzen aufweist, die über die gesamte Wandhöhe reichen. Das hat den Vorteil, dass die geforderten geometrischen Abmessungen sehr genau umsetzbar sind und keine Wasserverluste auftreten. Auf einer Länge von 35 Meter überwindet die Fischaufstiegsanlage über 12 Becken eine Wasserspiegeldifferenz von insgesamt 1,40 Meter. Zur Abtrennung der Fischtreppe vom eigentlichen Flusslauf wurde eine Spundwand gesetzt. Im Zulaufbereich war auf einer Länge von 15 m eine Ortbetonwand erforderlich, die parallel zum Ufer verläuft. Auch hier wurden die Anforderungen des Denkmalschutzes berücksichtigt. Die Spund wand wurde aufwendig mit Natursteinen verkleidet.

Bereits zu Baubeginn wurden Schwingungsmessungen durchgeführt, um jederzeit mögliche Schäden am nahe stehenden denkmalgeschützten Gebäude sowie Beeinträchtigungen für die Bewohner zu vermeiden. Während der Bauphase wurde UNGER ingenieure mit mehreren Widrigkeiten konfrontiert, die zu erheblichen Verzögerungen führten. Zunächst konnte mit dem Bau aufgrund des ungewöhnlich langen Winters erst deutlich später als geplant begonnen werden. Dann führten die überdurchschnittlich starken Niederschläge im Mai und Juni dazu, dass die Abflüsse an der Gersprenz nicht mehr von den Abschlagsgräben in Dieburg abgeführt werden konnten. Die Folge: Die gesamte Baustelle stand zeitweise unter Wasser. Danach mussten erst die an