Der diesjährige Parlamentarische Abend der Ingenieurkammer Hessen und des Kuratoriums Hessischer Ingenieurvereinigungen fand am 17. Juni 2019 im Hessischen Landtag statt. Ingenieure sind hier eingeladen, sich – im Dialog mit der hessischen Landespolitik – über aktuelle Themen mit Relevanz für den Berufsstand zu informieren. Dieser Abend stand unter dem Motto „Gemeinsam kompetent Verantwortung tragen“.

Nachdem der Landtagsvizepräsident Frank Lortz den Abend eröffnete, ging das Wort an den neuen Staatssekretär aus dem Hessischen Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen, Jens Deutschendorf. Im Anschluss hielt der Kammerpräsident Dipl.-Ing. Ingolf Kluge eine Ansprache, in der er bereits die Themen des Abends anriss:
– die HOAI und die diesbezügliche Entscheidung des EuGH, die zu diesem Zeitpunkt noch ausstand,
– die nötige Evaluation des HVTG (Hessisches Vergabe- und Tarifgesetz) sowie
– die Qualität der Ingenieurausbildung und damit verbunden die Nachwuchsgewinnung.

Bei der darauffolgenden Podiumsdiskussion wurden insbesondere die Qualität der Ausbildung des Ingenieurnachwuchses sowie die Relevanz der Begegnung von Auftraggebern und Politik mit Ingenieuren auf Augenhöhe debattiert. Sowohl Auftraggebern als auch Planern müsse bewusst sein, dass sie eine „gemeinsame Verantwortung“ tragen.

Dipl.-Ing. Thomas Platte (Direktor Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen), Dr.-Ing. Ulrich Deutsch (DBT Ingenieursozietät Frankfurt und Vorstandsmitglied der IngKH), Dipl.-Ing. Jochen Ludewig (Vorsitzender des Kuratoriums Hessischer Ingenieurvereinigungen) und Prof. Joachim Kilian (UNGER Ingenieure und BWK-Landesvorsitzender) waren sich sofort einig darüber, dass für die gute Auftragslage ein entsprechend hoher Bedarf an gut ausgebildeten Ingenieuren bestünde. Teilweise erforderten die Anforderungen die Nachqualifizierung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Insgesamt befinden sich Ingenieurunternehmen zurzeit in einer angespannten Marktsituation. Sie müssen sich, wenn sie erfolgreich geeignete Mitarbeiter akquirieren wollen, als attraktive Arbeitgeber am Bewerbermarkt positionieren.

Wichtig seien darüber hinaus
– ein besserer Austausch zwischen Ingenieurbüros und öffentlicher Verwaltung,
– eine größere fachübergreifende Vernetzung,
– eine berufsbegleitende Ausbildung und
– die Besinnung auf eine grundlagenorientierte Ausbildung zu Beginn eines Studiums im Sinne eines „Studium generale“.

Der Abbau von Bürokratie, Planungsbeschleunigungen und die bessere Vernetzung zwischen Auftraggeber und -nehmer könnten zudem ein effektiveres und effizienteres Arbeiten der Ingenieurbüros stärken.

Kooperation war das wichtige Stichwort des Abends

Denn die großen aktuellen Herausforderungen, können nur auf kooperativem Weg gemeistert werden – am besten in Zusammenarbeit mit der Politik. Kammer und Kuratorium regten zudem eine Konferenz bzw. einen Runden Tisch an, an dem man sich gemeinsam mit Hochschulen und Ministerien zum einen über die Attraktivität des Ingenieurberufs und zum anderen über die nötigen Lehrinhalte sowie zusätzliche Elemente einer Ausbildung berät.

v. l.: Dr.-Ing. Ulrich Deutsch (DBT Ingenieursozietät und Vorstandsmitglied der Ingenieurkammer Hessen), Dipl.-Ing. Jochen Ludewig (Vorsitzender des Kuratoriums Hessischer Ingenieurvereinigungen), Jens Deutschendorf (Staatssekretär im Hessischen Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen), Dipl.-Ing. Ingolf Kluge (Präsident der Ingenieurkammer Hessen), Prof.-Ing. Joachim Kilian (UNGER Ingenieure) und Dipl.-Ing. Thomas Platte (Direktor des Landesbetriebs Bau und Immobilien Hessen).