Der 10. Parlamentarische Abend der Ingenieurkammer Hessen und des Kuratoriums Hessischer Ingenieurvereinigungen fand am 26. September 2017 im Hessischen Landtag statt. Ingenieure sind eingeladen, sich – im Dialog mit der hessischen Landespolitik – über aktuelle Themen mit Relevanz für den Berufsstand zu informieren. Was an diesem Abend auch ausführlich genutzt wurde. Denn es ging um kein geringeres Thema als die Deregulierungsbestrebungen der EU hinsichtlich der HOAI. Die Teilnehmer an diesem Parlamentarischen Abend waren sich mehr als einig: Die Rolle des Beratenden Ingenieurs kann nicht die eines Anbieters von billigen Leistungen für Standardprodukte sein.

Die Qualität soll im Vergabeverfahren im Vordergrund stehen

Der Beratende Ingenieur steht an der Seite seines Auftraggebers, berät ihn, vertritt seine Interessen, sichert eine hohe Qualität genauso wie die Einhaltung von Termin- und Kostenplänen. Die Konsistenz und Steuerung von gesamten Planungsprozessen ist seine zentrale Aufgabe. Das ist nur zu gewährleisten, wenn die Verfahren zur Auftragsvergabe nicht durch unsinnige Preiswettbewerbe die Qualität von Planungsleistungen senken. Dass genau dies zurzeit der Fall ist, zeigte auch die Podiumsdiskussion. Neben weiteren Gästen auf dem Podium stellte auch Dipl.-Ing. Joachim Kilian, Geschäftsführer UNGER ingenieure und Vorsitzender des BWK Landesverband Hessen/Rheinland-Pfalz/Saarland e.V., die zentralen Probleme aus seiner Sicht heraus, die aus Preisdumping und Interessensbekundungsverfahren im Ingenieurwesen resultieren.

Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir bekannte sich zum Erhalt der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure: „In Großbritannien sind nach der Abschaffung der Honorarordnung fast alle kleinen Ingenieur- und Planungsbüros verschwunden. Die Konzentration auf wenige große Firmen hat die Preise steil steigen lassen und ist zu Lasten der Qualität gegangen. Deswegen unterstützt die Hessische Landesregierung den Bund in der Auseinandersetzung mit der EU-Kommission.“ Er sprach aber auch die Notwendigkeit eines gesunden Mittelwegs an, der ebenso die Wirtschaftlichkeit eines Projekts berücksichtige. Ein öffentlicher Auftraggeber müsse eben auch immer die Interessen des Steuerzahlers im Blick haben. Abschließend formulierten die Teilnehmer der Podiumsdiskussion ihre Forderungen an die Politik: Freiberufliche Leistungen sollten vom Verfahren der Vergabeverordnung ausgenommen sein, der Preiswettbewerb sollte auf allen staatlichen Ebenen eingestellt werden, es sollte künftig nur Wettbewerbe geben, die die Qualität in den Vordergrund stellen und es bedarf einer öffentlichen Prüf- und Beratungsstelle zur Herstellung von Transparenz bei Ausschreibung und Vergabe.

„Was wir benötigen sind kluge Köpfe, auskömmliche Honorare und kreativen Ingenieurnachwuchs zur Stärkung der Ingenieurkompetenz unseres Landes und zur Bewältigung der Zukunftsprobleme unserer Gesellschaft. Ja zur Qualität beim Planen und Bauen, ja zu auskömmlichen Honoraren und ja zu einer fairen Vergabe freiberuflicher Leistungen.“ Dafür will die Ingenieurkammer Hessen sich vehement einsetzen.